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Shopping-Lust statt Einkaufsfrust in Dresden

Dresdens Innenstadt ist um eine Attraktion reicher. Nicht – wie so oft – im kulturhistorischen Zentrum, wo touristische Highlights wie Zwinger, Frauenkirche und Semperoper dicht gedrängt auf überschaubarem Raum Maßstäbe setzen, sondern auf der Prager Straße. Dort lässt die neue Centrum-Galerie Dresdens wichtigste Einkaufsstraße wieder zu einem weltstädtischen Einkaufsboulevard erblühen.

In den Jahren 1851–53 erbaut, entwickelte sich die Prager Straße zwischen Hauptbahnhof und innerer Altstadt schnell zu einer der prächtigsten Straßen in Elb-Florenz mit zahlreichen Einkaufs- und Vergnügungsmöglichkeiten. Bei den Luftangriffen auf Dresden im Jahr 1945 fast vollständig zerstört, entstand in den 1960er- und 70er-Jahren mit dem Wiederaufbau der Prager Straße zu DDR-Zeiten eine der ersten Fuß-gängerzonen mit zahlreichen Geschäften, Hotels, Rundkino und dem bekannten Centrum Warenhaus im Stil des Sozialistischen Klassizismus. Knapp 30 Jahre später wich das Warenhaus mit seiner charakteristischen Metallfassade aus Aluminiumwaben, das lange Zeit als eines der wichtigsten Zeugnisse der modernen DDR-Architektur galt, der neuen Centrum-Galerie am Altmarkt.

Stilistische Zeitreise
Mit dem alten Centrum Warenhaus hat Dresdens größter Einkaufstempel nach Plänen des ortsansässigen Büros Peter Kulka Architektur nicht mehr viel zu tun. Einzig knapp 4.500 nach alten Mustern der Original-Fassade neu gefertigte Aluminiumwaben – technische und wirtschaftliche Gründe ließen den Einbau der Original-Fassadenteile nicht zu – bringen einen optischen Retro-Effekt an die Shopping-Mall. So erscheint die Außenfassade des neuen Baukörpers nach drei Jahren Planungs- und Bauzeit teils im 70er-Jahre-Waben-Look, teils im Stahl-Glas-Kleid des 21. Jahrhunderts. Dagegen orientiert sich das Innere der Mall ausschließlich an zeitgenössischen Motiven. Insbesondere der Innenraum des zentralen Treppenhauses lässt mit seinen reich an Ornamenten verzierten, eloxierten Aluminiumblechen ein vielfältiges Farbenspiel zu und macht den Besuch des Centers damit zu einem einzigartigen visuellen Erlebnis.

Erfolgsrezept Erlebnisarchitektur
Dieser mutige Spagat zwischen den verschiedenen Architekturstilen hat seinen Grund: Verließen sich die Center-Betreiber noch in den achtziger und neunziger Jahren auf Gestaltungskonzepte von der Stange, sehen heute viele Investoren spannungsvoll inszenierte Gebäude als Voraussetzung für den unternehmerischen Erfolg. Die Architektur als anziehende „Verpackung“ ist nicht mehr Nebensache, sie gehört zum Erfolgsrezept eines jeden neu eröffneten Einkaufszentrums. So auch Einkaufstempel umgeben von der Altmarkt-Galerie und angesehenen Warenhäusern wie Hennes & Mauritz und Karstadt. Ungeachtet dessen erlebt die Centrum-Galerie seit ihrer Eröffnung Mitte September letzten Jahres einen nicht enden wollenden Ansturm an einkaufs- und erlebnisfreudigen Besuchern.

Logistischer Drahtseilakt
Verantwortlich für die schlüsselfertige Erstellung des Bauteils I – Bauteil II mit 12.000 Quadratmetern Verkaufsfläche entstand nördlich des Hauptgebäudes an der Waisenhausstraße – war die Firmengruppe Max Bögl. Für die aufgehende Konstruktion der Centrum-Galerie aus Betonfertigteilen wurden am Standort Gera insgesamt 60.000 Quadratmeter Elementdecken und 4.500 Fertigelemente gefertigt, die größten unter ihnen mit einer Länge von 10,50 Metern und Einzelgewichten bis zu zehn Tonnen. Hinzu kamen rund 40.000 Kubikmeter Beton und 10.000 Tonnen Bewehrungsstahl, angeliefert mit über 4.000 Betonmischern und zahlreichen LKWs – in der Innenstadt von Dresden eine logistische Meisterleistung. Durchdachte Arbeitsvorbereitung, ausgeklügeltes Projektmanagement und ein nahtloses Zusammenspiel aller beteiligten Unternehmens- und Fachbereiche – vom Spezialtiefbau über die Fertigteilwerke und die Stahlbauabteilung bis hin zu Transport und Geräte – ermöglichten die erfolgreiche Abwicklung des Großprojektes.

Ausgezeichnet mit „Excellent“
Als erstes Gebäude in Deutschland und als erste Einkaufsimmobilie in Europa erhielt die Centrum-Galerie in Dresden das höchste BREEAM-Zertifikat „Excellent“. Hintergrund für die Verleihung eines der international bekanntesten Zertifikate für nachhaltiges Bauen ist die Tatsache, dass im Zuge der Umweltverträglichkeit der schonende Umgang mit Ressourcen sowie der optimierte Energie- und Flächenverbrauch von Beginn an ein zentraler Bestandteil des Gesamtkonzeptes war. Auch für Projektentwickler und Betreiber Multi Development Germany hat sich die 290-Millionen-Euro-Investition in Dresden gelohnt – und das nicht nur aus unternehmerischer Sicht. Das Tochterunternehmen der niederländischen Multi Corporation aus Gouda, einem der größten Immobilienunternehmen Europas, wurde im Oktober 2009 für die Initiierung und Umsetzung der Centrum-Galerie mit dem Deutsch-Niederländischen Wirtschaftspreis ausgezeichnet. Unter 61 Bewerbern direkt von der Wirtschaft gewählt, ehrt der Preis der Deutschen Auslandshandelskammer (AHK) Niederlande mutige Investoren, die sich im besonderen Maße in der grenzüberschreitenden Wirtschaft engagieren.


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